Kongress

S-03 - Evidenzbasiertes Sehnentraining - (von Theorie zu Praxis)

Hochintensives Sehnentraining am Beispiel der Achillestendinopathie

Kurzbeschreibung

Grundlagenseminar (ohne Vorkenntnisse)
2 Unterrichtseinheiten / Fortbildungspunkte

Beschreibung

Können Sehnen überhaupt trainiert werden und wirkt das auch bei verletzten (tendinopathischen) Sehnen? Effektive Behandlungskonzepte bei Sehnenverletzungen sollten im optimalen Falle nicht nur klinische und funktionelle Verbesserungen, sondern auch strukturelle Anpassungen zur Folge haben. Das klassische Konzept des exzentrischen Sehnentrainings (nach Alfredson) zeigt gute klinische und funktionelle Erfolge, jedoch ohne die mechanischen (Widerstandsfähigkeit) oder morphologischen (Sehnenquerschnitt) Eigenschaften einer Sehne strukturell zu beeinflussen. Nach Jahren systematischer (Grundlagen)Forschung konnten die Charakteristika des Trainingsreizes verifiziert werden, bei dessen Anwendung über 12 bis 14 Wochen signifikante strukturelle Adaptationen der Sehne bei Gesunden nachweisbar waren. Dieses Konzept des hochintensiven Sehnentrainings beinhaltet einen intensiven Trainingsreiz von ca. 90 % der maximal möglichen willkürlichen isometrischen Kraftleistung (MVC) der Plantarflexoren, der in einer bestimmten Frequenz für ca. 3 sec gehalten werden muss, um die Widerstandsfähigkeit der Sehne (Steifigkeit) sowie die Sehnendicke (Sehnenquerschnitt) zu beeinflussen. Mechanobiologisch scheint also ein hochintensiver (Dehnungs)reiz, der mittels Muskelkontraktion über eine bestimmte Dauer von drei Sekunden wirkt, die Sehnenzellen in Richtung struktureller Adaptation zu stimulieren. Die Kontraktionsform (exzentrisch, konzentrisch, isometrisch) scheint untergeordnet. Biomechanisch gesehen ist eine dickere sowie widerstandsfähigere Sehne bei gegebener Kraft in höherem Maße gegen Überlastungsschäden geschützt. Darüber hinaus ist zeitlich gesehen der Aufwand dieses hochintensiven Trainings deutlich geringer im Vergleich zum exzentrischen Training. Kürzlich konnte in einer kontrollieren Studie erstmals gezeigt werden, dass dieses evidenzbasierte hochintensive Sehnentraining auch bei verletzten Achillessehnen eingesetzt werden kann und ähnliche Effekte hinsichtlich signifikanter struktureller Sehnenanpassung zeigt. In dieser Studie wurde über einen Zeitraum von drei Monaten das hochintensive Training mit dem exzentrischen Training verglichen. Während beide Interventionen gleichermaßen gute klinische und funktionelle Verbesserungen vorwiesen, zeigten sich die strukturellen Anpassungen nur durch das hochintensive Sehnentraining. In einer Vergleichsgruppe, die explizit nur passive Physiotherapie erhalten hatte, zeigte sich, dass die Widerstandsfähigkeit der Achillessehnen sogar abgenommen hatte. Um also sowohl klinisch-funktionelle als auch strukturelle Verbesserungen bei (Achilles)Sehnentherapien zu erhalten, scheinen hochintensive Trainingsprotokolle für den klinischen Alltag erfolgversprechend zu sein. Daher haben sich weitere Behandlungskonzepte mit hohen Intensitäten, wie bspw. das sog. „heavy slow resistance training“ (HSRT) oder das Programm der „progressive tendon loading exercises“ (PTLE) bei der Behandlung von Sehnenpathologien etabliert.

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