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Long COVID und Ernährung: Interview mit Katrin Kleinesper
Was hat Ernährung mit Long COVID zu tun? Katrin Kleinesper richtet den Blick auf Entzündungs- und Immunprozesse, Darmgesundheit und die Versorgung mit wichtigen Nährstoffen. Im Interview erklärt sie, welche Stellschrauben sie bei Long COVID für relevant hält und was sich davon im Alltag umsetzen lässt.
Was kann Ernährung bei Long COVID leisten?
Aus meiner Sicht gibt es mehrere Stellschrauben. Ich arbeite dabei mit einem Vier- bis Fünf-Punkte-Plan: Am Anfang steht für mich das „Entgiften“, also eine Phase, in der Stoffwechsel und Darm entlastet werden sollen. Danach richtet sich der Blick auf das Immunsystem und eng damit verbunden auf den Darm. Hinzu kommen ausreichendes Trinken und als übergeordnete Ebene Faktoren wie Stress, Schlaf, seelisches Befinden oder Vorerkrankungen.
Gerade bei Long COVID halte ich diesen ganzheitlichen Blick für wichtig, weil Entzündungs- und Immunprozesse eine zentrale Rolle spielen. Beim Immunsystem schaue ich unter anderem auf Mikronährstoffe wie Vitamin C und E, Zink und Selen sowie auf Omega-3-Fettsäuren, Kräuter und Gewürze. Für den Darm wiederum sind Prä- und Probiotika sowie eine ballaststoffreiche Ernährung wichtige Ansatzpunkte.
Was lässt sich davon im Alltag konkret umsetzen – und was können Therapeutinnen und Therapeuten ihren Patientinnen und Patienten mitgeben?
Es gibt einige Veränderungen, die sich relativ einfach anstoßen lassen. Dazu gehört für mich zuerst, ausreichend und regelmäßig zu trinken. Auch Kräuter und Gewürze lassen sich unkompliziert in den Alltag integrieren. Beim Thema Omega-3 empfehle ich fettreichen Fisch wie Lachs, Makrele, Hering oder Sardinen beziehungsweise als Alternative Fisch- oder Algenöl.
Dazu kommen die klassischen Grundlagen: mehr Gemüse und Obst, eher Vollkorn- als Weißmehlprodukte und insgesamt mehr Ballaststoffe. Entscheidend ist aus meiner Erfahrung aber, nicht alles gleichzeitig verändern zu wollen. Ich schaue gemeinsam mit den Betroffenen, was ihnen leichtfällt und was für ihr persönliches Ziel besonders wichtig ist. Kleine Schritte lassen sich oft besser dauerhaft umsetzen.
Wo lohnt es sich, genauer hinzuschauen?
Bei Mikronährstoffen halte ich es für sinnvoll, Defizite gezielt zu erfassen und anschließend entsprechend zu handeln. In meiner Beratung arbeite ich dafür beispielsweise mit Blutanalysen oder einem Vitalstoffscanner und setze bei Bedarf auch Nahrungsergänzungsmittel ein. Wichtig ist mir dabei: messen, gezielt ergänzen und anschließend prüfen, ob die Versorgung tatsächlich verbessert wurde.
Auch Omega-3 ist für mich ein wichtiger Baustein, gerade mit Blick auf entzündliche Prozesse. Gleichzeitig lohnt sich der Blick auf die gesamte Ernährung und auf das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren. Entscheidend bleibt am Ende immer das Gesamtbild – und eine Ernährung, die sich für die Betroffenen tatsächlich umsetzen lässt.
Katrin Kleinesper ist Diplom-Oecotrophologin und seit 1996 selbstständig als Ernährungsexpertin tätig. Ihr Vortrag „Ernährungstherapie bei Long Covid – praxisnah und alltagstauglich“ findet am 6. November von 13:00 bis 14:30 Uhr statt. Die Teilnahme ist nur mit einem Kongressticket möglich.