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23.10.2026 therapie HAMBURG

Triggerpunkte und Muskelfunktion: Interview mit Hauke Heitkamp

Schmerz ist nur ein Teil der Geschichte. Myofasziale Triggerpunkte werden inzwischen auch im Zusammenhang mit Muskelaktivierung und Muskelfunktion untersucht. Hauke Heitkamp ordnet ein, was die Forschung dazu bislang zeigt und was sich daraus für die Physiotherapie ableiten lässt.

Was verändert sich bei der Muskelaktivierung, wenn Triggerpunkte vorhanden sind?

Bei einer Bewegung arbeiten mehrere Muskeln zusammen und werden dabei in einer bestimmten zeitlichen Abfolge aktiviert. Genau diese Abfolge kann sich verändern, wenn Triggerpunkte vorhanden sind. Das zeigen verschiedene EMG Untersuchungen, unter anderem für Muskeln im Bereich von Schulter, Fuß und Hand.

Spannend ist, was nach einer Behandlung passiert. In einer Untersuchung näherte sich das Aktivierungsmuster anschließend dem der Gruppe an, bei der von Anfang an keine Triggerpunkte vorhanden waren. Das spricht dafür, dass Triggerpunkte die Ansteuerung der Muskulatur beeinflussen können.

Dabei geht es nicht ausschließlich um schmerzhafte Triggerpunkte. Vergleichbare Veränderungen wurden auch bei latenten Triggerpunkten beobachtet, die im Alltag keine Schmerzen verursachen. Die Unterschiede in der Muskelaktivierung lassen sich deshalb nicht allein mit Schmerz erklären.

Welche Erkenntnisse gibt es denn bislang zum Einfluss von Triggerpunkten auf periphere und zentralnervöse Prozesse?

Auf peripherer Ebene gibt es inzwischen verschiedene Hinweise darauf, was in einem Triggerpunkt passiert. Ein Teil davon stammt allerdings aus Tierstudien und sollte deshalb nicht als gesichertes Wissen verstanden werden.

Untersuchungen deuten beispielsweise auf Veränderungen an der motorischen Endplatte hin. In Bereichen mit Triggerpunkten wurde mehr Acetylcholin und gleichzeitig weniger Acetylcholinesterase gefunden. Auch eine geringere Verfügbarkeit von ATP wurde beschrieben. Das passt zu der Hypothese, dass eine Störung der motorischen Endplatte und eine lokale Energiekrise bestehen könnten.

Untersuchungen am Menschen zeigen außerdem erhöhte Konzentrationen bestimmter Entzündungsmediatoren, die nach einer Behandlung abnehmen können. Auch die Sauerstoffversorgung könnte eine wichtige Rolle spielen. Sie ist in Triggerpunkten offenbar reduziert und kann nach einer Behandlung wieder ansteigen.

Gleichzeitig gibt es Hinweise auf Veränderungen im zentralen Nervensystem. Nach einer Triggerpunktbehandlung wurden unter anderem Veränderungen in der Aktivität des motorischen Kortex beobachtet. Bei erfolgreicher Schmerzlinderung zeigte sich zudem eine veränderte Aktivität in einer Hirnregion, die an der Schmerzhemmung beteiligt ist. Auch eine stärkere Aktivität des Parasympathikus wurde beobachtet. Die bisherigen Erkenntnisse weisen damit sowohl auf Veränderungen der motorischen Steuerung als auch der Schmerzverarbeitung hin.

Und was lässt sich daraus für Befundung und Behandlung in der Physiotherapie ableiten?

Man muss deshalb nicht die gesamte Herangehensweise verändern. Ich halte es aber für sinnvoll, Triggerpunkte im üblichen Befundungsprozess als mögliche Ursache mitzudenken, insbesondere wenn viele Zeichen auf einen primär nozizeptiven Schmerzmechanismus hindeuten.

Wenn eine Bewegung bekannte Schmerzen provoziert, schaue ich also nicht nur darauf, welche Gelenke, Sehnen, Bänder etc. beteiligt sind. Ich überlege auch, welche Muskeln arbeiten und ob Triggerpunkte das Beschwerdebild erklären könnten. Wenn sich dieser Verdacht erhärtet, kann eine palpatorische Untersuchung der Muskulatur folgen. Besonders interessant sind hierbei aktive Triggerpunkte, deren Provokation ein bekanntes Symptommuster reproduzieren.

Doch auch latente Triggerpunkte können relevant sein. Wenn ich mit einem Patienten aktiv trainieren möchte, kann es sinnvoll sein, diese Triggerpunkte der entsprechenden Muskeln vorher zu behandeln. Dadurch lässt sich die Ansteuerung der Muskulatur beeinflussen, was wiederum die Wirksamkeit des Trainings verbessern kann.

Ich nutze die Triggerpunkttherapie deshalb häufig als Einstieg, um danach die aktive Therapie besser durchführen zu können. Sie ersetzt die aktive Herangehensweise aus meiner Sicht keinesfalls. Beides lässt sich vielmehr gut miteinander verbinden.

Hauke Heitkamp ist Physiotherapeut und Manualtherapeut (OMPT-DVMT) mit einem Master in muskuloskelettaler Physiotherapie und lehrt an einer Berufsfachschule in Osnabrück sowie an der Hochschule Osnabrück. In Vortrag „Triggerpunkte und Muskelfunktion: Der Einfluss myofaszialer Triggerpunkte auf die Muskelaktivität“ vertieft er das Thema am 6. November von 10:00 – 11:30 Uhr im Kongress der therapie HAMBURG. Die Teilnahme ist nur mit einem Kongressticket möglich.

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