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15.07.2026 therapie HAMBURG

Wenn der Daumen streikt: Interview mit Rainer Zumhasch

Auf der therapie HAMBURG rückt Rainer Zumhasch das arthrotische Daumensattelgelenk in den Fokus. Ein Beschwerdebild, das in der therapeutischen Praxis viel Feingefühl erfordert. Im Interview erklärt er warum Befund und Beschwerdebild nicht immer deckungsgleich sind und welche Beobachtungen für die weitere Therapie besonders hilfreich sein können.

Was macht die Rhizarthrose in der therapeutischen Praxis so anspruchsvoll?

Das Daumensattelgelenk ist anatomisch etwas ganz Besonderes. Es verfügt über mehrere Bewegungsachsen, aus denen erst die komplexen Bewegungen von Drehung und Opposition entstehen. Gleichzeitig steht es schräg im Raum, sodass die Schwerkraft ständig als Hebel auf das Gelenk einwirkt. Hinzu kommt, dass es in erster Linie bandstabilisiert und nicht muskulär geführt ist. Genau das macht es anfällig.

Kommt es im arthrotischen Prozess zum Knorpelverlust, reagieren auch die Bänder und werden elastischer. Die Muskulatur versucht zwar, diese Instabilität aufzufangen, schafft das aber oft nicht ausreichend. Stattdessen entstehen muskuläre Dysbalancen, Schmerzen und Fehlbelastungen, die den Prozess weiter verstärken können. Deshalb gilt die Rhizarthrose heute nicht nur als reiner Verschleiß, sondern eher als biomechanisches Instabilitätssyndrom.

Erschwerend kommt hinzu, dass Schmerzen und Stadium nicht immer zusammenpassen. Ein frühes Stadium kann sehr schmerzhaft sein, ein späteres deutlich weniger. Deshalb muss die Therapie immer symptomorientiert und individuell angepasst werden. Auch Alltag, Beruf und Hobbys spielen eine wichtige Rolle, weil das Daumensattelgelenk dort ständig belastet wird. In den frühen Stadien kann konservative Therapie gut greifen, in fortgeschrittenen Stadien stößt sie oft an Grenzen, sodass dann ärztlich entschieden werden muss, wie weiter vorzugehen ist.

Welche Befunde geben beim arthrotischen Daumensattelgelenk die Richtung vor und was folgt daraus für die Behandlung?

Am Anfang steht immer die genaue Abklärung, ob die Beschwerden tatsächlich aus dem Daumensattelgelenk kommen oder ob eine andere Pathologie dahintersteckt. Patientinnen und Patienten können meist nur sagen, dass es im Bereich des Daumens weh tut. Ob es sich um das Sattelgelenk, eine Sehnenscheidenentzündung, eine STT-Arthrose oder etwas anderes handelt, muss deshalb differenzialdiagnostisch sauber geprüft werden.

Ein wichtiger Test für das Daumensattelgelenk ist der Grind-Test. Dabei wird das Gelenk unter Druck in verschiedene Bewegungsrichtungen gebracht. Dort, wo der Schmerz ausgelöst wird, liegt häufig auch der entscheidende Ansatzpunkt für die Behandlung. Ergänzend wird die Muskulatur auf Triggerpunkte untersucht, immer im Seitenvergleich. Dazu kommen die Analyse von Kraft, Bewegungsqualität, Gelenkstabilität und die Frage, wie stark alltagsrelevante Aktivitäten eingeschränkt sind.

Für die Therapie bedeutet das: Nicht das Röntgenbild gibt die Richtung vor, sondern die individuelle klinische Situation. Zunächst werden schmerzhafte Muskelspannungen behandelt, anschließend wird manualtherapeutisch an der Kapsel gearbeitet. Parallel dazu braucht es gezielte Übungen zur muskulären Stabilisation, vor allem für die Strukturen, die das Gelenk unterstützen können. Dazu kommen Heimübungen, thermische Reize, Gelenkschutz und in frühen Stadien häufig auch eine Schienenversorgung, etwa zur Entlastung in der Nacht.

Entscheidend ist dabei immer, wie der Alltag der Betroffenen aussieht. Jemand, der körperlich arbeitet, hat andere Anforderungen als jemand, der überwiegend am Computer sitzt. Deshalb müssen Befund und Therapie immer zusammen gedacht werden. Oder anders gesagt: Wir behandeln keine Arthrose auf dem Papier, sondern die Hand eines Menschen im Alltag.

Der Vortrag „Wenn der Daumen streikt“ findet am 7. November 2026 von 12:30 - 16:00 Uhr auf dem Kongress der therapie HAMBURG statt. Für die Teilnahme ist ein Kongressticket erforderlich. Im Anschluss an den Workshop stehen über IHHC.eu , das International Hand Health College, diverse Schulungsunterlagen, ein Lehrvideo zum Workshop und weitere Materialien kostenfrei zum Download oder zur Ansicht zur Verfügung.

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