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Wie früh darf Training beginnen? Interview mit Eike Homringhaus
Ein gebrochener Fuß darf zunächst nicht belastet werden. Muss deshalb das ganze Bein pausieren? Eike Homringhaus arbeitet in der Unfallchirurgie des Klinikums Lippe und bringt genau solche Fragen auf die therapie HAMBURG. Er schaut auf den Spielraum, der trotz Verletzung und Heilungsphase fürs Training bleibt.
Warum sollte Training in Unfallchirurgie und Orthopädie nicht erst später beginnen?
Meist geht es darum, Kraft, Belastbarkeit und Funktion wiederherzustellen. Deshalb frage ich mich: Warum erst anfangen, wenn davon bereits viel verloren gegangen ist?
In der Unfallchirurgie geben die biologische Heilung und gegebenenfalls der Operationsbericht den Rahmen vor. Innerhalb dieses Rahmens kann man oft sehr früh etwas tun, teilweise sogar schon vor einer Operation. Wenn ein gebrochener Fuß zunächst nicht belastet werden darf, muss deshalb nicht das gesamte Bein schwächer werden. Man kann gezielt dort Trainingsreize setzen, wo die verletzte oder operierte Struktur nicht gefährdet wird.
Das gilt auch für konservativ behandelte Verletzungen, etwa bei Frakturen oder Luxationen. Selbst bei schwer verletzten Patientinnen und Patienten gibt es aus meiner Erfahrung fast immer Möglichkeiten zu trainieren. Was sich im Verlauf verändert, sind Dosis, Intensität und Komplexität. können unnötiger Muskelabbau und zusätzliche Einschränkungen möglichst vermieden werden.
Wie finden Sie die richtige Belastung im Training und was unterscheidet dabei Unfallchirurgie und Orthopädie?
In der Unfallchirurgie hängt das zunächst davon ab, was die verletzte oder operierte Struktur bereits zulässt. Wenn eine hohe Intensität noch nicht möglich ist, würde ich eher moderat beginnen, je nach Situation beispielsweise mit 50 bis 60 Prozent der Maximalkraft. Danach kann das Volumen steigen und über die Frequenz weiter dosiert werden. So lässt sich beobachten, wie der Patient die Belastung verarbeitet.
Auch Vertrauen spielt dabei eine Rolle. Wenn jemand frisch operiert ist und sofort mit sehr hohen Lasten konfrontiert wird, kann das die Zusammenarbeit erschweren.
Hinzu kommt, dass nach Verletzungen, Operationen oder längerer Ruhigstellung einzelne Muskeln deutlich an Kraft und Muskelmasse verlieren können. Dann kann ein einzelner Muskel zum limitierenden Faktor innerhalb einer kinematischen Kette werden. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, zunächst gezielt und relativ isoliert zu trainieren und einen wirksamen Reiz für den Muskelaufbau zu setzen. Mit zunehmender Belastbarkeit kann das Training anschließend wieder komplexer werden und größere Bewegungsabläufe einbeziehen.
In der Orthopädie gibt es solche strukturellen Grenzen häufig weniger. Bei bestimmten Sehnenbeschwerden kann früher mit höheren Intensitäten gearbeitet werden. Auch komplexere Übungen sind teilweise früher möglich, etwa bei unspezifischen Beschwerden im unteren Rücken. Die grundlegenden Trainingsprinzipien bleiben also ähnlich. Wie sie angewendet werden, hängt jedoch vom Ziel und von der jeweiligen Ausgangssituation ab.
Sie sagen: Üben ist nicht gleich Training. Was macht für Sie den Unterschied?
Üben ist völlig in Ordnung. Training bedeutet für mich aber, dass ich vorher festlege, was ich erreichen möchte, und anschließend überprüfe, ob wir diesem Ziel tatsächlich näherkommen.
Gerade bei langen Rehabilitationsverläufen ist das wichtig. Nach neun oder zwölf Monaten werden Fortschritte oft kleiner und im Alltag weniger sichtbar. Das kann frustrieren. Wenn ich anhand konkreter Werte zeigen kann, dass sich trotzdem etwas verbessert hat, kann das den Patienten sehr motivieren.
Und auch für mich als Therapeut ist das hilfreich. Ich kann überprüfen, ob das, was wir tun, tatsächlich wirkt. Genau darin liegt für mich der entscheidende Unterschied zwischen einer Ansammlung von Übungen und einem geplanten Training.
Der Vortrag „Warum Training die grundlegende Intervention in Unfallchirurgie und Orthopädie sein muss“ findet am 7. November von 14:30 bis 16:00 Uhr auf dem Kongress der therapie HAMBURG statt.