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21.09.2026 therapie HAMBURG

Raus aus dem Altersdenken: Interview mit Prof. Dr. Claudia Winkelmann

Das Alter allein sagt erstaunlich wenig darüber aus, was Mitarbeitende im Job brauchen. Aussagekräftiger ist laut Untersuchungen die Phase, in der sie sich innerhalb ihrer Stelle und Laufbahn befinden. Prof. Dr. Claudia Winkelmann denkt Personalentwicklung deshalb entlang beruflicher Lebenszyklen. Was sich dadurch verändert, wird spätestens dann spannend, wenn eine Stelle nicht mehr richtig passt.

Was steckt hinter der dem stellenbezogenen Lebenszyklus und warum ist er für die Personalentwicklung relevant?

Das Konzept orientiert sich am Lebenszyklus des Menschen. Auch eine Stelle durchläuft verschiedene Phasen: Es gibt den Eintritt, Wachstum und Reife, irgendwann möglicherweise eine Sättigung und schließlich den Austritt beziehungsweise den Wechsel in eine neue Funktion oder Stelle.

Für die Personalentwicklung ist vor allem der Übergang von der Reife- in die Sättigungsphase entscheidend. Die Bezeichnung Sättigungsphase beschreibt eigentlich sehr schön, was passieren kann: „Ich bin satt“ oder sogar „Ich habe es satt“. Vielleicht ist jemand auf seiner Stelle unterfordert, hat das Gefühl, alles schon gesehen und gehört zu haben, oder Fähigkeiten und Erfahrungen, die über Jahre aufgebaut wurden, werden plötzlich nicht mehr gebraucht. Auch veränderte Werte oder Lebensumstände können dazu führen, dass etwas nicht mehr passt.

Das ist keine Frage des Alters. Menschen können solche Phasen zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten erleben. Idealerweise merken Fachkraft und Führungskraft bereits gegen Ende der Reifephase, dass es irgendwo „holpert“, und sprechen darüber. Denn wenn die Sättigungsphase lange anhält, kann sich der Frust auch auf das Team und letztlich auf die Patientenversorgung auswirken.

Sie sprechen von horizontalen und sinusförmigen Karrierewegen. Was bedeutet das konkret?

Wir denken Karriere sehr häufig vertikal: Der nächste Schritt ist dann beispielsweise eine Leitungsfunktion. Es gibt aber viele andere Möglichkeiten. Eine horizontale Entwicklung kann heißen, fachliche Verantwortung zu übernehmen – etwa für die Anleitung von Praktikantinnen und Praktikanten, für eine bestimmte Qualifikation oder für ein Projekt.

Und dann kommt manchmal schlicht das Leben dazwischen. Wer bereits Führungsverantwortung übernommen hat, möchte oder muss diese vielleicht für eine gewisse Zeit reduzieren, beispielsweise wegen Elternzeit oder der Pflege von Angehörigen. Genau das meine ich mit einer sinusförmigen Karriere: Verantwortung kann wachsen, zeitweise wieder abnehmen und später erneut zunehmen.

Dafür braucht es keine Personalentwicklung nach dem Gießkannenprinzip, sondern individuelle Lösungen. Ich spreche deshalb lieber von einem Kooperationsgespräch als von einer klassischen Zielvereinbarung. Führungskraft und Fachkraft schauen gemeinsam: Was ist dem Mitarbeitenden in seiner spezifischen Situation möglich, was möchte er – und was ist unter den inneren und äußeren Bedingungen der Einrichtung überhaupt realistisch?

Und wie unterstützt die Personal-Matrix dabei, individuelle Entwicklung zu planen?

Die Personal-Matrix ist im Grunde ein sehr einfaches Instrument. Auf einem Blatt werden zwei Dinge betrachtet: Wie schätze ich meine aktuelle Leistung in dieser Stelle ein und welches Entwicklungspotenzial sehe ich noch? Zunächst sollte sich die Fachkraft selbst einschätzen. Dann kommt die Perspektive der Führungskraft hinzu.

Interessant wird es besonders, wenn beide Einschätzungen deutlich auseinanderliegen. Dann haben wir einen ganz konkreten Gesprächsanlass. Vielleicht unterschätzt jemand die eigenen Fähigkeiten, vielleicht werden Erwartungen unterschiedlich wahrgenommen. Statt eines diffusen Gefühls gibt es etwas, worüber beide Seiten sprechen können.

Aus dieser Einordnung lassen sich anschließend individuelle Maßnahmen ableiten. Und beim nächsten Kooperationsgespräch kann man gemeinsam prüfen: Hat das, was wir vereinbart haben, überhaupt funktioniert? Das lässt sich vorher nicht garantieren – Menschen sind individuell. Genau deshalb sollte auch Personalentwicklung individuell sein und die jeweilige berufliche und persönliche Situation berücksichtigen.

Prof. Dr. Claudia Winkelmann ist Professorin für Betriebswirtschaft und Management im Gesundheits- und Sozialwesen sowie Physiotherapeutin mit Erfahrung in Forschung, Lehre und Gesundheitsversorgung. Ihr Vortrag „Raus aus dem Altersdenken – rein in den Lebenszyklus“ findet am 6. November 2026 von 13:00 bis 14:30 Uhr auf dem Kongress der therapie HAMBURG statt. Die Teilnahme ist nur mit einem Kongressticket möglich.

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