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Neurozentriert arbeiten: erst verstehen, dann bewegen
Was passiert eigentlich zwischen einem Reiz und der daraus entstehenden Bewegung? Genau dort wird es für Therapie und Training interessant. Im Kongress der therapie HAMBURG führen ganz unterschiedliche Wege zum Nervensystem – über Wahrnehmung, Bewegung, Gleichgewicht oder Leistung. Was sie verbindet: Praktische Ansätze für die tägliche Arbeit in Therapie und Training.
Wenn die Augen Buchstaben nicht sauber fixieren, Gleichgewicht trotz Übung instabil bleibt oder Bewegungen unter neuen Anforderungen an Qualität verlieren, lohnt sich ein genauer Blick auf die dahinterliegenden Steuerungsprozesse. Das Kongressprogramm spannt dabei den Bogen von neuroanatomischen Grundlagen bis zu konkreten Tests und Übungen für Therapie und Training.
Einen grundlegenden Einstieg bietet Sportwissenschaftler David Hillmer im Vortrag „Das Nervensystem: Der CEO der Körpersysteme“ . Bewegung und Wahrnehmung gehören ebenso zu seinen Aufgaben wie die Steuerung von Herzschlag und Atmung. Hillmer vermittelt die wichtigsten neuroanatomischen und neurofunktionellen Zusammenhänge und zeigt, wie eng die verschiedenen Abläufe des menschlichen Organismus miteinander verknüpft sind. Eine Grundlage für alle, die neurozentrierte Ansätze besser verstehen und für ihr Training einordnen möchten.
Wie sehr Wahrnehmung darüber entscheiden kann, ob Lernen und Bewegung gelingen, steht in „Unreifen in der Wahrnehmung von Kindern frühzeitig erkennen“ . im Mittelpunkt. Sportökonomin und Dozentin Astrid Buscher richtet den Blick auf Bewegungs-, Lern- und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern. Können die Augen beispielsweise Buchstaben nicht sicher fixieren oder Zeilen flüssig verfolgen, setzt fachspezifisches Üben möglicherweise an der falschen Stelle an. Im Vortrag lernen die Teilnehmenden einfache Tests und individuelle neurozentrierte Übungen kennen, mit denen sich Wahrnehmungsdefizite und daraus entstandene Kompensationsmuster erkennen und bearbeiten lassen.
Beim neurofaszialen Training werden Augen, Gleichgewichtssystem und Propriozeption gezielt in bekannte Gleichgewichts-, Koordinations- und Fitnessübungen eingebunden. So erhalten vertraute Übungen ein neuronales Update. Ziel ist es, neuroplastische Veränderungen anzuregen, neues Bewegungspotenzial zu erschließen und den Körper besser auf wechselnde äußere Anforderungen vorzubereiten. Wie das praktisch aussieht, veranschaulicht Sport- und Bewegungstherapeutin Lena Schönteich in „Neurofasziales Training – vom Gehirn zum Gewebe“ .
Im Leistungssport rückt die neuronale Bewegungssteuerung ebenfalls in den Fokus. Sportphysiotherapeutin Tilla Armstrong greift sie in „Train your Brain“ auf und versteht das Gehirn dabei als Lenker und Denker von Bewegung. Der Beitrag richtet den Blick auf bewegungssteuernde Systeme und darauf, wie neurozentrierte Ansätze sinnvoll in Therapie und Training eingebaut werden können.
Besonders praktisch wird es beim Thema Gleichgewicht und Stabilität. Einbeinstand, instabile Unterlagen, Krafttraining – klassische Übungen führen nicht immer zum gewünschten Ergebnis. Der Workshop „Neurozentrierte Übungen für Gleichgewicht und Stabilität in der therapeutischen Praxis“ von Sportwissenschaftler Kevin Grafen setzt deshalb bei der Verarbeitung sensorischer Informationen an. Die Teilnehmenden beschäftigen sich mit dem vestibulären System, der visuellen Orientierung und propriozeptiven Rückmeldungen aus Muskeln und Gelenken. Verschiedene Tests und Übungen können direkt ausprobiert und anschließend in den therapeutischen Alltag übertragen werden.
Für die Teilnahme an den Vorträgen und Workshops ist ein Kongressticket erforderlich.